Geduld

In der heutigen Zeit muss man viel Geduld haben. Mit anderen, mit sich selbst, aber auch im Glauben. Ob im Homeoffice, in der Kinderbetreuung oder im ganz normalen Berufsalltag. Man merkt, dass alles irgendwie länger dauert und man zur Geduld gezwungen ist. So geht es mir auch mit dem Glauben. Die Kirchen haben geschlossen, die Zeit ist knapp und die Geduld, mich mal hinzusetzen und mir Zeit für meinen Glauben zu nehmen, fehlt mir auch. Dabei habe ich bemerkt, dass genau das für mich wichtig wäre zwischen Alltagstrott und Ausnahmesituation. Einen Moment zu finden, in welchem mein Glauben, Gott und ich für uns sind und ich mich wieder fokussieren kann. Früher war das einfacher. Ich ging in den Gottesdienst und hatte dort die Möglichkeit diesen Fokus zu setzen. Woran ich mich – und auch andere, denen es so geht – erinnern möchte, ist: Hab Geduld! Nimm dir die Zeit, den Ort und die Geduld. Mach dir, wenn du möchtest, einen Onlinegottesdienst an oder blätter durch die Bibel oder ein Gesangbuch und versuche die frühere Geduld im Glauben und im Gespräch mit Gott wiederzufinden. Mir haben folgende Worte aus der Bibel dabei geholfen:

Wer geduldig ist, der ist weise; wer aber ungeduldig ist, offenbart seine Torheit. (Sprüche 14,29 – Lutherbibel 2017)

Wo fehlt euch die Geduld?

Wo findet ihr Raum für euren Glauben im Alltag?

WiederWort von Lisa (20)

Woran glaub ich eigentlich?

Na, ich bin doch Christ. Ich glaube an Jesus.

Und was bedeutet das?

Na, ich gehe zur Kirche…
Ich lese die Bibel…
Ich bin Nachfolger*in Jesu…

Diese zwei Fragen regen doch zum Nachdenken an. Klar, ich kann darauf einfache Antworten geben. Aber sind diese Antworten nicht vielleicht oberflächlich? Was steckt hinter diesen Antworten, was genau sind die Grundüberzeugungen meines Lebens?
Ich glaube, dass es sinnvoll ist, immer wieder in sich hineinzuhören, in sich selbst nachzuboren, wovon man überzeugt ist und warum. So können wir unsere eigenen Standorte festigen oder immer wieder neu bestimmen. So hängen wir unsere Herzen nicht an Dinge, die vergangen, gar nicht mehr aktuell sind, sondern können uns neu ausrichten. Oder wir erkennen, dass Altes noch ziemlich aktuell ist und schöpfen daraus neue Kraft.
Wenn Jesus Menschen begegnet ist, stellte er ihr Leben immer wieder auf den Kopf. Ein Zöllner bereichert nicht länger sich selbst, sondern verschenkt sein Geld.
Statt an sich selbst zu denken, laden Menschen Ausgeschlossene und Kranke ein, um gemeinsam zu essen.
Gott entspricht nicht unseren Erwartungen, er ist der, der uns immer wieder überrascht. Vielleicht tut es gut, feste Erwartungen immer für Überraschungen offen zu halten.

WiederWort von Yann (26)

Ganz anders

Treuer Gott,

du bist so ganz anders als all meine Erwartungen.

Als alles, was ich mir vorstellen kann.

Deine Gedanken über mich sind so ganz anders als meine eigenen.

Du siehst, was in mir steckt.

Du siehst auch die Seiten, die Fähigkeiten in mir, die sonst oft im Verborgenen liegen und von denen ich mich nur selten traue, sie zu zeigen.

Heute beginnt eine ganz andere Zeit im Kirchenjahr – die Fastenzeit.

Lass mich die ganz anderen Seiten in mir, in meinem Leben, neu entdecken.

Fordere mich heraus, um neue Wege zu gehen.

Gib mir Mut und Freude daran, mich auszuprobieren.

Öffne mich, um dich in meinem Leben neu zu finden.

Dich, der du so ganz anders bist als alles sonst –

großartig und im Kleinen versteckt.

Neugierig auf mich und ohne Scheu vor dem, was du siehst.

Liebevoll und vergebend.

Du zeigst mir den Weg zum Leben, Gott.

Ganz anders, spannenden und herausfordernd.

Dafür danke ich dir.

Amen.

WiederWort von Stefanie (35)

Heimat ist für mich…

…ein Ort, nein, jeder Ort, an dem ich als Mensch bedingungslos leben kann, weil ich von anderen Menschen umgeben bin, deren Sprachen ich spreche und die weder an meiner Haut-, Haar- oder Augenfarbe, noch an meinem Namen, meinem Alter, meinem Geschlecht, meinem Beruf, meinem Glauben, meinen Weltanschauungen oder meiner körperlichen und geistigen Verfassung Anstoß nehmen. Heimat ist für mich, in mir selbst zu ruhen – überall auf der Welt. Heimat ist für mich das Gefühl, geschützt, geborgen und verstanden zu sein; das Gefühl, dazu- und herzugehören; das Gefühl, ein Teil der Landschaft, der Kultur und der Menschen mit ihren regional besonderen Eigenarten zu sein. Das Wort „Heimat“ definiere ich als einen lebenslangen Sehnsuchtsbegriff. Auf der einen Seite hat Heimat mit Herkunft zu tun, mit der Prägung der eigenen Identität.

Auf der anderen Seite ist sie aber auch transitorisch wie das Leben selbst. Meine Heimat ist in mir, sie entwickelt und verändert sich kontinuierlich. Ich nehme sie mit auf Reisen und entdecke mich unterwegs immer wieder neu. Heimat ist Vision und Erinnerung. Sie bindet ein weites Reich von Zeichen und Figuren, von Bildern und Gesten, zusammen und ja, auch von Bewegungen. Trotz der Momente des Schmeckens, des Riechens, bleibt die Heimat immer schwankend zwischen Realität und Vorstellung.

Heimat kann nur selbstbestimmt und gleichberechtigt für jede und jeden sein. Heimat ist die Vielfalt an Menschen um mich herum, ein harmonisches, gesellschaftliches Miteinander und Zusammenwirken in allen Bereichen. Heimat kann an vielen Orten sein, ist offen und frei für alle. Im Laufe der Jahre wurde die Heimat ersetzt durch ein Zuhause, das nicht an einen bestimmten Ort gebunden ist.

Wenn ich die Augen zumache und wirklich mal über den Begriff „Heimat“ nachdenke, dann sehe ich verschiedene Erinnerungen vor mir. Ich sehe mich in Spanien auf unserer Bank sitzen, mit dem Kopf von meinem Hund auf meinen Oberschenkeln. Den Geruch von gegrillten spanischen Garnelen in der Nase und im Blick, wie mein Opa vor dem Grill steht, mit meiner Oma in seinen Armen. Die Sonnenstrahlen waren angenehm warm auf der Haut und ich höre noch, wie meine Oma sagt: „Ich hoffe, dass du dich immer an diesen Moment erinnerst. Wir. Zusammen. Hier.“ Ja, diesen Satz werde ich mir auf immer und ewig merken sowie auch das Gefühl, das ich in diesem Moment verspürt habe. Heimat ist etwas ganz Wichtiges.

Immer, wenn ihr das Gefühl von Wärme und Geborgenheit verspürt, schließt für einen Moment die Augen und genießt es. Fangt den Moment ein. Schätzt ihn wert. Genau diesen Moment gibt es nur einmal.

WiederWort von Stella (15)

 

Was bedeutet „Heimat“ für euch?

Stella hat sich etwas Besonderes für euch überlegt. Schreibt eure Gedanken in unserem WiederWort-Heimat-Padlet auf. Hier ist der Link dazu:

https://padlet.com/stellaselvarolo/eg3i2uvyatp8k1uf

Das Passwort ist: WiederWortHeimat

Großes im Kleinen

Ein Lächeln. Eine Umarmung. Ein leckeres Eis im Sommer. Ein guter Song. Eine Nachricht von einem lieben Menschen. Ein gutes Buch mit einer tollen Geschichte. Alte Fotos, die man beim Aufräumen wieder findet. Vorfreude auf den nächsten Urlaub.

All diese Dinge scheinen zunächst nur klein und unscheinbar zu sein. Aber wenn man genau hinschaut sind es Dinge, die viel größer und von Wert sind.

Ich freue mich über ein Lächeln, sei es von einem guten Freund oder von einer Fremden. Ich esse für mein Leben gerne Eis und ohne Musik läuft  bei mir gar nichts. Gerade solche Dinge machen das Lebens bunt und lebenswert. Die Kleinigkeiten, das Unscheinbare.

Auch Gott gebraucht kleine Dinge, um eine große Wirkung zu erzielen. Er benutzt das Kleine, Unscheinbare, um etwas zu tun, was nicht vergessen wird.

  • In der Schöpfungsgeschichte sehen wir, wie Gott mit ein paar, im Grunde einfachen Worten, die Welt erschafft. Aus einer unscheinbaren Leere wird etwas Großes und Bedeutsames.
  • Der Stab Mose wurde zu dem entscheidenden Mittel, das Volk Israel aus Ägypten zu befreien.
  • Ein einziger Stein sorgte dafür, dass der Philister Goliath von David zur Strecke gebracht wird.
  • Mit der Geburt Jesu kommt etwas Kleines auf die Welt, was später einmal ganz groß wird.

WiederWort von Sophia (26)

#WeRemember

Erinnerung

an Namen,

an Lebensgeschichten,

an Leben, das einfach ausgelöscht wurde,

an gestohlene Zeit,

an unfassbares Grauen,

an das, was Menschen anderen Menschen antun können,

an das, was alles Fassbare bei Weitem übersteigt.

 

Erinnerung daran,

dass bei Gott niemand verloren, kein einziges Leben vergessen ist.

Seit mittlerweile 25 Jahren ist der 27. Januar Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. 1945 wurde an diesem Tag das Konzentrationslager Auschwitz von sowjetischen Truppen befreit.

Sich auch heute wieder daran zu erinnern bedeutet, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander zu verbinden. All den Menschen, die damals ermordet wurden, ein würdiges Andenken zu geben und ihre Geschichten lebendig bleiben zu lassen. Sich auch heute wieder daran zu erinnern bedeutet, dem eigenen Leben eine klare Haltung zu geben: für ein vielfältiges Miteinander der Religionen und Kulturen. Für Frieden. Gegen jede Form von Antisemitismus, Spaltung und Hass.

Denn Hass ist krass. Liebe ist krasser.

Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen. (1. Korinther 13,13)

WiederWort von Stefanie (35)

 

Ganz der Vater

„Ganz der Vater.“ – So hat meine Oma manchmal zu mir gesagt. Denn ja, mein Vater und ich ähneln uns in vielen Dingen. Wir sind beide sehr ehrgeizig. Wir sind beide manchmal ganz schön rechthaberisch. Auf uns kann man sich verlassen.

„Ganz der Vater.“ – an diesen Satz meiner Oma muss ich denken, wenn ich die Jahreslosung für 2021 lese.

Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. (Lukas 6,46)

Jesus empfiehlt uns, ganz wie der Vater, also ganz wie Gott zu sein. Barmherzig.

Ich weiß nicht, ob das die erste Eigenschaft Gottes ist, die mir in den Sinn gekommen wäre, wenn Jesus mich gefragt hätte, wie das ei

gentlich geht „ganz wie der Vater“ zu sein. Was ist mit Gottes Macht? Was ist mit seinem Zorn? Was ist mit seiner Ver

gebung? Seiner Liebe? Wären nicht all das Eigenschaften gewesen, die mir zuerst eingefallen wären?

Aber so nicht Jesus. Er sagt: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Okay. Das möchte ich versuchen. Also ein Herz zu haben, das für andere schlägt, ihnen offen begegnet. Ein Herz zu haben, das anderen verzeiht. Ein Herz, mit dem ich mir auch selbst barmherzig begegne und auch mir verzeihe, dort wo ich Fehler mache und hinter meinen eigenen Erwartungen zurückbleibe.

Ich bin froh, dass Gott so ein offenes, warmes und weites Herz für uns Menschen hat. Ich bin froh, dass Gott mir so begegnet und sein Herz für mich schlägt.

WiederWort von Stefanie (35)

Hoffnungszeichen

Der Silberstreif am Horizont ist eins.

Ein kleines Teelicht in einem dunklen Raum ist eins.

Das Händeschütteln nach einem Streit ist eins.

Das erste Licht des frühen Tages ist eins.

Alle sind sie Hoffnungszeichen für ganz unterschiedliche Menschen in ganz unterschiedlichen Situationen.

2021 geht ja erstmal so weiter wie 2020 aufgehört hat… Wir können jedes Hoffnungszeichen also gut gebrauchen. So können wir uns nach etwas ausrichten, auf etwas hinarbeiten oder einfach nur auf etwas warten, das uns Besserung verheißt – sei es auch nur für einen kleinen Moment.

Ich zum Beispiel mache einmal in der Woche eine kleine Radtour, bei der ich aus meinem Homeoffice-/Homeuni/Homeschooling-Alltag rauskomme, aufatme und davon träumen kann, dass alles wieder anders wird.

 

Was sind eure Hoffnungszeichen?

 

Unser vielleicht ultimatives Hoffnungszeichen ist das Kreuz. Es zeigt und erinnert uns, dass Gott sich all dem, was uns bewegt, schon längst angenommen hat; dass er uns schon immer in unseren Unsicherheiten begegnet und begleitet. Die Frage, worauf wir unser Haus bauen (Matt 7,24–27), stellt sich damit eigentlich gar nicht mehr: Gott hat uns schon längst ein sicheres Fundament gegeben, auf dem und durch das wir leben können.

 

WiederWort von Yann (25)

Verändert im Alltag

Unsere Glaubenshighlights sammeln wir ganz oft auf Freizeiten oder bei Events. Wir werden verändert, wenn wir in großen und starken Gruppen zusammen sind. Aber wer weiß, ob das dieses Jahr überhaupt möglich sein wird?  Fehlende Events, kaum Freizeiten. Meetings mit echten Vorbildern sind auch nicht so einfach umzusetzen, wenn sie von weiter weg kommen.

Aber Gott ist durch diese Situation nicht limitiert.

Stell dir mal vor, was passieren würde, wenn wir dieses Jahr nicht auf das Jahresevent setzen, sondern Gott viel stärker in unseren Alltag einbinden würden? Was wäre, wenn wir das zulassen würden? Wenn wir nicht nur im Glauben wachsen, wenn wir mega tolle Erlebnisse haben und uns jemand anderes anleitet? Wenn das Gebet zwischen Tür und Angel, wenn der gemeinsame Urlaub, der mit den Kumpels geplant ist, zum Glaubenshighlight würden? Wenn wir uns Zeit nehmen, Gottes Aufträge im Alltag zu leben? Wenn wir auch in unbequemen Zeiten plötzlich glauben, dass alles möglich ist? Wenn wir auf einmal eine feste Zeit fürs Gebet im Alltag haben?

Ich merke bei mir, dass ich Glaubenswachstum noch nicht ganz so stark mit meinem Alltag in Verbindung bringe. Ich will dir Mut machen, dass Gott deinen Alltag viel stärker bestimmen darf. Ich wünsche die Mut, das, was du in den nächsten Wochen erkennst, konkret umzusetzen.

WiederWort von Stella (15)

Das war 2020

Ein ereignisreiches und turbulentes Jahr neigt sich dem Ende

„Dieses Jahr ist alles anders“.

Diesen Satz haben wir alle, glaube ich, mehr als genug gehört und trotzdem ist er wahr. Dieses Jahr ist alles anders. Wir leben in einer Pandemie. Es ist eine Situation, von der ich geglaubt habe, sie niemals erleben zu müssen. Aber doch ist es so. Sätze wie „Bitte Abstand halten“ oder „Setzen Sie bitte Ihre Mund-und-Nasemaske auf“ wären ohne diese Pandemie vollkommen sinnlos, doch nun sind sie von großer Bedeutung und aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken.

Die Welt ist eine andere geworden und wir müssen lernen, mit dieser neuen Normalität zu leben. Es werden auch wieder andere Zeiten kommen und daran zu glauben und darauf zu hoffen, dass wir bald einander wieder näher kommen dürfen – Handschläge, Umarmungen und Küsschen verteilen – darauf freue ich mich.

Meine Tage sind schneller gewesen als ein Läufer; sie sind dahingeflohen und haben nichts Gutes erlebt. (Hiob 9,25 ©️ Lutherbibel 2019)

WiederWort von Sophia (26)

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