Abstand halten – Social Distancing – Dass das einmal für mich zu einer „neuen Normalität“ werden würde, hätte ich nicht für möglich gehalten. Ich bin gerne mit anderen Menschen zusammen. Ich liebe große Konzerte – dicht an dicht in der Menge. In meiner Arbeit als Pfarrerin ist der persönliche Kontakt mit den Menschen das A und O. Auch mal die Hand des Anderen im Gespräch halten oder am Grab den trauernden Angehörigen die Hand zu geben oder sie kurz auf die Schulter zu legen. Gemeinsam mit den Gemeindegruppen zu essen, zu lachen und einfach zu erzählen – all das ist im Moment nur schwer oder gar nicht möglich. Mir fehlt das sehr und doch erlebe ich immer wieder, wie trotz des Abstands Nähe entsteht: durch Anrufe und Briefe, durch ein herzliches Lachen, das bis in die Augen strahlt und so auch hinter dem Mund-Nasen-Schutz sichtbar ist. Durch ein aufgeregtes Winken aus der Ferne, fast wie zu Kindertagen, weil man zufällig endlich mal wieder Bekannte unterwegs trifft. Durch geneinsames Gebet im Gottesdienst, auch wenn die Plätze in den Bänken nur unter Mindestabstand belegt werden können.

Es macht mich wütend, dass Manche Abstands- und Hygieneregeln immer noch für albern halten, das Virus als Teil einer weltweiten Verschwörung betrachten und sich gemeinsam mit Rechtsradikalen zum Protestieren auf die Straße stellen.

Abstand zu halten ist doch in dieser Zeit ein Zeichen des Respekts und der Achtung des Gegenübers. Es ist notwendig und sinnvoll. Dieser Abstand schafft doch auch eine ganz neue Form von Nähe. Eine Verbundenheit miteinander, die die 1,5 m überbrückt, weil es um das Wohl aller geht.

Und ich vertraue darauf, dass wir auch durch Gottes Nähe miteinander verbunden sind und er mit uns. Er ist an unserer Seite und hält uns fest. Er gibt uns niemals auf.

Gott nahe zu sein ist mein Glück. (Psalm 73,28 – Einheitsübersetzung)

WiederWort von Stefanie (35)