Autor: WiederWort (Seite 3 von 13)

Roter Faden

Wie ein roter Faden zieht sich der Glaube an Gott durch mein Leben. Ich erinnere mich noch gut daran, wie meine Schwester und ich jeden Abend vor dem Schlafengehen gemeinsam mit meiner Mutter gebetet haben: „Müde bin ich, geh zur Ruhe, schließe beide Augen zu. Vater, lass die Augen dein über meinem Bette sein.“ Ich habe mich geborgen gefühlt in diesen Momenten und war mir ganz sicher: Gott hört mein Gebet. Später im Konfirmandenunterricht hat mich der Glaube fasziniert. Die alten Texte der Bibel zu lesen, die Menschen schon vor so langer Zeit aufgeschrieben und geglaubt hatten, gab mir ein Gefühl davon, auch mit meinem Glauben in einer ganz langen Tradition zu stehen und mit Menschen überall auf der Welt verbunden zu sein. Bei meinem ersten Kirchentag in Frankfurt habe ich dann zum ersten Mal eine ganz große Gemeinschaft erlebt. Eine positive Atmosphäre, die die ganze Stadt erfasst hatte. Ich kam mit wildfremdem Menschen ins Gespräch. Wir haben gemeinsam gesungen, gebetet und Spaß gehabt. Das war eine ganz tolle Erfahrung. „Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“ aus Psalm 31,9 war das Motto des Kirchentages. Dort habe ich entdeckt, wie wichtig mir genau das ist: Dass Gott mich zu einem freien Menschen gemacht hat. Dass er mir Leben, Freiraum, eröffnet, den ich gestalten kann. Dafür bin ich Gott dankbar.  Bis heute zieht sich dieser Glaube wie ein roter Faden durch mein Leben. Er überdauert auch Zeiten des Zweifels, in denen ich diesen roten Faden richtig wiedersuchen muss. Ich bin froh, dass Gott die Verbindung mit mir hält – auch dann, wenn ich suche, frage und zweifle. Er sagt mir zu:

Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen. (Jeremia 29,13f)

WiederWort von Stefanie (35)

Gottesbegegnung

Und des Herrn Wort geschah zu mir: 5 Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker. 6 Ich aber sprach: Ach, Herr, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung. 7 Der Herr sprach aber zu mir: Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete. 8 Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der Herr. 9 Und der Herr streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund. 10 Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen. (Jeremia 1,4-10 – Lutherbibel 2020)

Hier geht es darum, etwas aus dem Leben zu machen, und es geht darum, dass der Mensch am Beispiel des Propheten Jeremia sich zu klein und der Anforderung nicht gewachsen fühlt. Jeremia wird von Gott berufen, ein bestimmtes Amt wird ihm angetragen, das Amt des Propheten. Jeremia sieht sich einer klaren Forderung gegenüber, ein Amt wird ihm angetragen, ein unangenehmes noch dazu, eines, mit dem Ärger und Verdruss verbunden sind, eines, das wohlmöglich sogar lebensgefährlich werden kann. Ich kann Jeremias Einwände gut verstehen Ich tauge nicht zu predigen, denn ich bin zu jung. Gott fordert fast übermenschliches Vertrauen von Jeremia ein. Verlass dich nicht auf dein eigenes Wort, nein, nimm das Wort an, das ich in deinen Mund lege. Ja, mir wird leicht schwindlig bei solchem Vertrauen, ich möchte kontrollieren, was passiert, es erfordert ungeheuren Mut, sich auf so etwas einzulassen. Es ist gewissermaßen der Ernstfall des Glaubens, der hier eintritt, der eingefordert wird. Gott fordert nicht nur von Jeremia: Er streckte seine Hand aus und berührte meinen Mund, berichtet Jeremia. Jeremia erfährt Gott ganz handgreiflich, in Wirklichkeit, zärtlich. Eine Erfahrung, die das Leben verändert, wenn sie einem denn geschenkt wird. Vielleicht kennen Sie solche Begegnungen? Begegnungen, die anrühren, ein Mensch, der mir nahesteht, oder auch ein völlig fremder Mensch unterstützt mich, vertraut mir, traut mir etwas zu, bestärkt mich. Ja, vielleicht begegnet auch mir in solchen Situationen Gott, bewusst oder unbewusst. Bin ich offen für eine solche Begegnung? Lasse ich mich darauf ein wie Jeremia, trotz all meiner Bedenken, trotz all meiner Unzulänglichkeiten? Lasse ich mich anrühren von Gott in meinem konkreten Alltag? Ich selbst hatte letztens eine Gottesbegegnung. Ich stand in der Kirche auf der Empore und lauschte der Musik, während der Gottesdienstes und plötzlich sah ich wie die Sonne in die Kirche leuchte. Strahlend hell und warm. Gott war da.

WiederWort von Stella (15)

 

Einheit

Am Samstag jährt sich der Tag der Deutschen Einheit zum 30. Mal. Ein Feiertag für Freiheit und Demokratie und dafür, dass Menschen, die im selben Land leben, nicht mehr länger durch eine Mauer voneinander getrennt sind.

Für mich ist das eine gute Gelegenheit, einmal auf mein eigenes Leben zu schauen und zu überlegen:

Mit wem bilde ich im Moment eigentlich keine Einheit? Auf wen könnte ich mal wieder einen Schritt zugehen, um so Missverständnisse oder Streit aus der Welt zu schaffen?

Vielleicht gibt es ja auch bei euch solche Menschen. Ich möchte die nächsten Tage nutzen, um mit ihnen mal wieder in Kontakt zu kommen. Vielleicht kann ich mich mit ihnen einigen. Das wäre schön. 😉

Und auch, die, mit denen ich ohnehin schon eine Einheit bilde, freuen sich bestimmt auch über eine liebe Nachricht oder einen Anruf.

Welche Erfahrungen macht ihr? Mit wem werdet ihr euch einig? Mit wem vielleicht auch nicht?

 

WiederWort von Stefanie (35)

 

 

 

 

 

 

Genauer hingucken

Gottes Schöpfung ist vielfältig und bunt. Jeder Teil von ihr ist auf seine Art und Weise einzigartig. Doch vergessen wir manchmal, genauer hinzugucken. Nicht nur wie bei diesem Tierchen auf der Sonnenblume, sondern auch bei Menschen. Manchmal sind die unsichtbarsten Dinge an uns etwas, was uns besonders macht. Sich dessen bewusst zu werden angesichts der Schöpfung Gottes, fällt im Alltag nicht leicht. Aber ich kann sagen: Es lohnt sich, auch mal auf die kleinsten Dinge zu achten, so unscheinbar sie auch sind.

HERR, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter. (Psalm 104,24)

WiederWort von Lisa (19)

Neu sehen lernen

Das ist St. Mungo, der Schutzpatron  und erste Bischof der schottischen Stadt Glasgow. Letztes Jahr habe ich ihn auf einer meiner Reisen entdeckt. Sein Bild fasziniert mich. Es zeigt diesen Kirchenmann aus dem 6. Jahrhundert in unserer Zeit, ganz so wie er heute leben würde. Zugewandt und aufmerksam, Kleines beachtend.

Über ihn wird erzählt, dass er verschiedene Wunder getan haben soll. Eines davon ist das Lebendigmachen eines Rotkehlchens. Mungo beobachtete, wie Leute das Tier mutwillig töteten. Er nahm den Vogel in seine Hände, sprach ein Gebet und das Rotkehlchen erwachte zu neuem Leben.

Es ist nicht dieses vermeintliche Wunder, das mir nachgeht. Es ist dieses Sich-Anrühren-Lassen, dieses sich Sorgen um alles Lebendige. Und es ist das Vertrauen in die Kraft des Gebets. Mungo vertraut sich ganz Gott an. Er betet zu Gott, begibt sich ganz in Gottes Hand. Aus diesem Vertrauen heraus entsteht neues Leben.

Gott hilft uns, neu sehen zu lernen – Leben um uns herum wahrzunehmen und zu achten und die Schönheit des Lebens zu entdecken. Gott hilft uns, uns im Gebet ganz auf ihn, auf seine Kraft, einzulassen, mit der er uns in unserem Leben begleitet.

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet. (Psalm 66,20, Lutherbibel 2017)

WiederWort von Stefanie (35)

 

Segen für den ersten Schultag (und für alle, die zur Zeit etwas Neues beginnen)

Gott segne deinen ersten Schultag.

Er verwandle deine Angst vor dem Unbekannten in Neugierde auf alles, was kommt.

Er gebe dir Freundinnen und Freunde an die Seite, mit denen du lachen kannst und die dich auch mal abschreiben lassen.

Er gebe dir Lehrerinne und Lehrer, bei denen das Lernen Spaß macht und die dir mit ihrer Begeisterung neue Welten eröffnen.

Gott segne dich auf all deinen Wegen!

 

Wir wünschen euch Gottes Segen für das neue Schuljahr und alle Neuanfänge! Möget ihr auch unter den erschwerten Coronabedingungen in ein tolles Schuljahr starten!

 

WiederWort von Stefanie (35)

Abstand halten

Abstand halten – Social Distancing – Dass das einmal für mich zu einer „neuen Normalität“ werden würde, hätte ich nicht für möglich gehalten. Ich bin gerne mit anderen Menschen zusammen. Ich liebe große Konzerte – dicht an dicht in der Menge. In meiner Arbeit als Pfarrerin ist der persönliche Kontakt mit den Menschen das A und O. Auch mal die Hand des Anderen im Gespräch halten oder am Grab den trauernden Angehörigen die Hand zu geben oder sie kurz auf die Schulter zu legen. Gemeinsam mit den Gemeindegruppen zu essen, zu lachen und einfach zu erzählen – all das ist im Moment nur schwer oder gar nicht möglich. Mir fehlt das sehr und doch erlebe ich immer wieder, wie trotz des Abstands Nähe entsteht: durch Anrufe und Briefe, durch ein herzliches Lachen, das bis in die Augen strahlt und so auch hinter dem Mund-Nasen-Schutz sichtbar ist. Durch ein aufgeregtes Winken aus der Ferne, fast wie zu Kindertagen, weil man zufällig endlich mal wieder Bekannte unterwegs trifft. Durch geneinsames Gebet im Gottesdienst, auch wenn die Plätze in den Bänken nur unter Mindestabstand belegt werden können.

Es macht mich wütend, dass Manche Abstands- und Hygieneregeln immer noch für albern halten, das Virus als Teil einer weltweiten Verschwörung betrachten und sich gemeinsam mit Rechtsradikalen zum Protestieren auf die Straße stellen.

Abstand zu halten ist doch in dieser Zeit ein Zeichen des Respekts und der Achtung des Gegenübers. Es ist notwendig und sinnvoll. Dieser Abstand schafft doch auch eine ganz neue Form von Nähe. Eine Verbundenheit miteinander, die die 1,5 m überbrückt, weil es um das Wohl aller geht.

Und ich vertraue darauf, dass wir auch durch Gottes Nähe miteinander verbunden sind und er mit uns. Er ist an unserer Seite und hält uns fest. Er gibt uns niemals auf.

Gott nahe zu sein ist mein Glück. (Psalm 73,28 – Einheitsübersetzung)

WiederWort von Stefanie (35)

Sommerhimmel

Als Kind habe ich unglaublich gerne die Wolken am Sommerhimmel beobachtet. Auf der Picknickdecke liegen, die Arme unter dem Kopf verschränkt und nach oben in den Himmel schauen. Dabei habe ich immer tolle Entdeckungen gemacht. Da flogen dann auf einmal Wolkendrachen, Engel, Schlösser und Fußbälle, Hunde und Elefanten schwebten über mir vorbei. In meinem Kopf entstanden dann die wunderbarsten Geschichten mit all diesen Protagonisten. Und manchmal habe ich davon geträumt, selbst auf einer dieser Wolken hoch über der Erde zu fliegen und Abenteuer zu erleben.

Noch heute gucke ich unheimlich gerne in den Sommerhimmel. Der Blick nach oben, weitet meinen Horizont. Dann merke ich immer wieder ganz bewusst, dass es so viel mehr gibt zwischen Himmel und Erde als ich mir vorstellen kann. In all der Weite und dann wiederum ganz nah bei mir, ist Gott. Er erdet mich, mit festem Grund unter meinen Füßen. Er gibt mir Weite, Raum zum Leben,  zum Entfalten. Er verbindet Himmel und Erde. Und manchmal frage ich mich, ob Gott nicht selbst auch an schönen Sommertagen die Wolken beobachtet und seine Freude hat an all dem, was da gerade so vorbeifliegt. 🙂

Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit so weit die Wolken gehen. (Psalm 36,6 – Lutherbibel)

Wo ist dir Gott besonders nahe?

 

WiederWort von Stefanie (35)

Gutes Image

Über was reden die Leute um dich herum, wenn sie über dich reden? Vielleicht bist du eher der Typ „Everybody’s Darling“, bist mega beliebt und eigentlich jeder, der dich trifft, findet dich cool, sympathisch und nett. Vielleicht bist du aber auch das Gegenteil davon: Du hast nicht das Gefühl, Freunde zu haben, bist eher allein, als mit vielen Leuten abzuhängen und es gibt Leute, die machen sich über dich lustig.  Vielleicht bist du aber auch irgendwo dazwischen. Ich glaube, jeder von uns hat so ein Image in seinem Freundeskreis, seiner Familie, in der Schule, da wo wir jeden Tag sind.

Auch Elisabeth, aus dem Zweiten Testament, hat so ein Image. Dieses Image war aber nicht positiv. Denn sie war die, die keine Kinder bekommen konnte – und das in einer Zeit, in der die meisten Menschen sich über ihre Kinder definiert haben. Und ich glaube, Elisabeth hatte echt damit zu kämpfen…

Aber dann tut Gott ein Wunder und Elisabeth und ihr Mann Zacharias bekommen doch noch ein Kind. Und dann sagt Elisabeth das:

Der Herr hat Großes an mir getan! Die Menschen verachten mich, aber er hat mich gnädig angesehen und hat meine Schande von mir genommen. (Lukas 1,25 – NGÜ)

Ich finde das ziemlich beeindruckend! Elisabeth hätte zu jeder Person gehen können, die sich mal über sie lustig gemacht hat. Sie hätte sich rächen können oder ihre Wut über sie rauslassen können. Doch sie entscheidet sich dagegen und zieht sich zurück. Sie dankt Gott für das, was er getan hat.

Mich hat die Geschichte von Elisabeth ermutigt, weil ich wissen darf, dass Gott Geschichte schreibt. Und für seine Geschichte nutzt er die unterschiedlichsten Menschen: die Coolen und auch die, die nicht so cool wirken – egal, welches Image ein Mensch hat.

Ich will  dir heute Mut machen, Gott zu danken, dass er Geschichte mit dir schreibt, und ihn danach zu fragen, wo dein Platz in seiner Geschichte ist. Du musst dir keine Sorgen um dein Image bei anderen Menschen machen, sondern darfst dir sicher sein, dass Gott dich für seine großartige Geschichte gebrauchen will. Gott mit dir!

WiederWort von Stella (15)

 

Zuhause

Ich mag meine Wohnung. Hier fühle ich mich wohl. Hier fühle ich mich zu Hause. Wenn ich nach einer Reise wieder zurück komme und durch die Wohnungstür gehe, denke ich jedes Mal: Wie schön wieder hier zu sein. Für mich fühlt es sich gut an, zu wissen, dass ich mich dort ohne Mühe zurechtfinde, auch im Dunkeln. Dass ich genau weiß, wo alles ist. Dass ich die Dinge, um mich habe, die mir kostbar sind – meine Bücher, meine Musik, Fotos, Erinnerungen.

Gleichzeitig reise ich unheimlich gerne. Ich liebe es, neue Orte zu entdecken, fremde Sprachen zu hören, anderen Menschen auf meinen Reisen zu begegnen. Aber ich merke: Ich kann das nur so richtig genießen, weil ich weiß, dass es mit meinem Zuhause einen Ort gibt, an den ich immer wieder zurückkehren kann.

So ähnlich ist das für mich auch mit meinem Glauben. Jesus ruft mich in seine Nachfolge. Mein Leben an ihm zu orientieren, an seiner Liebe zu anderen Menschen, an seinem Einsatz für die, für die sonst niemand da ist, ist eine Herausforderung für mein Leben und ein Abenteuer zugleich. Ich gehe gerne auf diese Entdeckungsreise, auch wenn sie mich manches Mal an meine Grenzen bringt. Aber ich kann diesen Weg nur gehen, weil ich weiß, dass es mit Gott jemanden gibt, zu dem ich immer kommen kann. Der mir hilft, mich immer wieder neu an ihm auszurichten, der mir ein Zuhause eröffnet, auch auf allen unbekannten Wegstrecken. Der Beter des 71. Psalms drückt dieses Vertrauen in Gott aus. Er sagt:

Gott, sei du mein sicheres Zuhause, in das ich immer kommen kann. Denn du hast versprochen, mir zu helfen. Du bist mein Fels und meine Burg. (Psalm 71,3)

WiederWort von Stefanie (35)

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