Ich würde euch heute gerne eine Geschichte erzählen, die ich vor längerer Zeit gelesen habe. Sie hat mich so fasziniert und seitdem beschäftigt sie mich sehr.

Ein Mann hatte gerade mit seinem neuen Auto die Waschstraße verlassen, als schon ein Junge herbeilief und mit großer Begeisterung seinen Wagen polierte. „Sie haben aber einen tollen Wagen, gehört der Ihnen?“ Lächelnd gab er zur Antwort: „Ja, den hat mir mein Bruder geschenkt.“ Ein Ausflug, den keiner von ihnen jemals wieder vergessen wird … Der Junge schaute verwundert zu dem Mann. „Sie haben nichts dafür bezahlt und ihn einfach geschenkt bekommen?“ Der Mann nickte. „Ach ich wünschte …“, begann der Junge zögerlich. Dem Mann war völlig klar, was sich der Junge wünschte: Er wollte auch so ein Auto besitzen. Aber als der Junge weitersprach, traute er seinen Ohren kaum. „Ich wünschte mir, dass ich auch so ein Bruder sein könnte!“ Diese unerwarteten Worte des Kindes rührten das Herz des Älteren, so fragte er: „Hast du Lust auf eine kleine Stadtrundfahrt?“ Die Augen des Jungen glänzten vor Freude: „Wirklich? Sie würden mich wirklich mitnehmen? Mensch, das wäre gigantisch!“ Nachdem sie eine Weile durch die Stadt gefahren waren, fragte der Junge plötzlich ganz aufgeregt: „Entschuldigen Sie, aber dort vorne wohne ich. Könnten Sie bitte anhalten und kurz auf mich warten?“ Der Fahrer nickte mit einem Schmunzeln, und dachte bei sich, dass der Knabe wohl Geschwistern oder Nachbarn das tolle Auto zeigen wollte, in dem er mitfahren durfte. Doch er sollte sich erneut täuschen. Keine Minute später kam er wieder aus dem Haus und schob einen Rollstuhl, in dem ein kleiner Junge saß. Er beugte sich zu ihm hinunter: „Schau Bruderherz, das ist das Auto, welches dieser Mann von seinem Bruder einfach so geschenkt bekam. Eines Tages werde ich dir auch so einen Wagen schenken, dann kannst du überall dort hinfahren, wo es dir gefällt!“ Tief bewegt stieg der Mann aus dem Wagen, hob den Kleinen aus dem Rollstuhl und setzte ihn auf seinen Beifahrersitz. Dabei wurde er von zwei Augenpaaren angestrahlt. Die drei machten einen Ausflug durch die Stadt und über das Land. Einen Ausflug, den keiner von ihnen jemals wieder vergessen würde.

Schon Mark Twain wusste: »Der beste Weg, sich selbst eine Freude zu machen, ist: zu versuchen, einem andern eine Freude zu bereiten.« Jemandem eine Freue machen, kann so einfach sein – wie auch diese Kurzgeschichte vermittelt. Auch bei mir ist es so. Wenn ich einem Menschen etwas schenke, dann ist es auch für mich das größte Geschenk, wenn sich die Person darüber freut. Das Geschenk selbst muss keinen materiellen Wert haben, damit man sich darüber freuen kann. Der kleine Junge findet zwar das Auto toll, doch die Tat, die sich dahinter verbirgt, ist doch so viel wichtiger. Er ist fasziniert davon, dass der Bruder des Mannes ihm ein so wertvolles Auto schenkt, ohne dass der Mann groß was dafür tun musste. Er wünscht sich also nicht, auch mal so ein Auto zu haben, sondern ein genauso guter und gütiger Mensch zu werden, wie es der Bruder des Mannes ist.

WiederWort von Stella (15)