Der lateinische Ausspruch Sapere aude! erlangte vornehmlich durch den Philosophen Immanuel Kant Bekanntheit, der die Wortfolge in seinem Aufsatz „Was ist Aufklärung?“ zum Leitspruch der Aufklärung erklärte. Kant übersetzte die Wörter „Sapere aude!“ mit Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!, wenngleich eine wortwörtliche Übersetzung im Deutschen eher „Wage es, weise zu sein!“ lauten würde. Doch auch, wenn diese Wortfolge vornehmlich mit Kant in Verbindung gebracht wird, geht sie tatsächlich auf den antiken Dichter Horaz zurück.

Vor 500 Jahren hat Martin Luther eine Lawine losgetreten, indem er die Kirche seiner Zeit hinterfragt hat. Das hat zu dramatischen gesellschaftlichen Umbrüchen geführt. So riesengroße Sprünge sind heute (vielleicht) nicht mehr nötig. Aber es bleibt wichtig, dass wir die Welt hinterfragen! Wie oft wird uns erklärt: „So war das schon immer, so müssen wir das lassen, daran darf sich nichts ändern!“ Das ist nicht gut. Wenn man im Kleinen nicht anfängt mit dem Hinterfragen, dann werden die Probleme regelmäßig wesentlich größer. Wenn ich Nachrichten sehe, denke ich oft: An dieser Stelle würde Reformation gut tun. Dann würde ich den Menschen am liebsten das Brett vorm Kopf wegnehmen, ihnen sagen: Lasst euch doch nicht immer das vorsetzen, was euch die da oben, rechts oder links einflüstern, sondern traut euch, selbst zu denken. So wie Luther das getan hat. Oft ist Religion eine Sache der Interpretation. Wenn der Osterglaube wirklich in unserem Alltag und vor allem in unseren Herzen ankommen soll, dann geht das nur in Freiheit. Es ist notwendig, „in Freiheit auch Fragen an den Glauben“ zu stellen, so wie es in der Bibel bereits der „ungläubige Thomas“ getan hat. Zugleich durchbricht Ostern die Spirale der Gewalt und steht für den gewaltfreien Kampf für Frieden und Gerechtigkeit, wie ihn auch die Ostermärsche praktizierten.

WiederWort von Stella (14)