Seite 2 von 24

Unglücklich ist, wer vor der Zukunft Angst hat

Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr euch total verloren fühlt. Das ist bei mir im Moment ein immer wiederkehrendes Gefühl. Es ist diese Ungewissheit was passieren wird. In naher und auch in weiter Zukunft. Mein Herz ist oft unruhig und vor dem Einschlafen habe ich oft so ein unangenehmes Bauchgefühl, dass mich um den Schlaf bringt. Ich muss bekennen, dass ich oft ungeduldig bin. Ich will endlich wissen, wie meine Zukunft aussehen wird. Ich mache so oft Pläne für mein Leben und bin mir völlig sicher, dass es genau so ablaufen wird, und doch grätscht mir das Leben immer wieder dazwischen und all meine Pläne zerfallen zu Staub. Von einem Moment auf den anderen ist alles was ich mir ausgemalt hatte hinfällig. Dann breitet sich in mir eine Panik aus und erst, wenn ich ein neues Ziel, einen neuen Plan habe, kann ich wieder beruhigt aufatmen. Ich bete schon so lange um Klarheit, verzweifle oft an dieser Ungewissheit. Warum zeigt Gott mir nicht einfach diese Dinge? Ich möchte das richtige tun, um später sicher zu sein, um mich sicher zu fühlen und nicht zu denken, dass sich alles, was ich mir aufgebaut habe innerhalb von einer Millisekunde in Luft auflöst.

Immer wieder sehe ich, wie alle anderen ihre Ziele erreichen und das bekommen, was sie sich so sehr wünsche, obwohl sie sich nicht mal halb so viel Mühe darum geben. Warum funktioniert es dann bei mir nicht? Naja, die Antwort ist ganz leicht. Das Leben ist nicht fair. Immer und immer wieder werden Menschen Steine in den Weg gelegt und es sollte uns nicht dazu bringen, aufzugeben und sich dem Gefühl der Hilflosigkeit hinzugeben. Nein! Was uns nicht umbringt macht uns stärker. Wir sollten dann einfach akzeptieren, dass es so geschehen ist und weiter machen. Irgendwie kommen wir schon da hin, wo wir hin sollen. So wie es einst der Philosoph Seneca sagte: „Unglücklich ist, wer vor der Zukunft Angst hat“ Gott wird uns leiten.

WiederWort von Stella (15)

Frühlingsgefühle

Wenn

ich mich draußen aufhalte, merke ich, der Winter zieht sich allmählich zurück. Auch, wenn es dieser Tage stürmisch war, sobald die Sonne herauskommt, fühlt sie sich an wie ein warmer Kuss.  Morgens ist es nicht mehr ganz so dunkel. Die Vögel singen ihre Lieder. Die Laune ist besser. Ich bin voller Energie und Motivation. Es ist schön, die Natur nach dem leblosen Winter wieder erwachen zu sehen. Diesen Umbruch und Neuanfang jedes Jahr wieder zu erleben und die Freude und Erwartung auf den Frühling kann ich kaum erwarten. Dafür bin ich sehr dankbar.

Denn der Winter ist vorüber, der Regen vorbei, er hat sich verzogen. Blumen sprießen schon aus dem Boden, die Zeit des Frühlings ist gekommen. (Hohelied 2,11-12 – BasisBibel)

WiederWort von Sophia (26)

Geduld

In der heutigen Zeit muss man viel Geduld haben. Mit anderen, mit sich selbst, aber auch im Glauben. Ob im Homeoffice, in der Kinderbetreuung oder im ganz normalen Berufsalltag. Man merkt, dass alles irgendwie länger dauert und man zur Geduld gezwungen ist. So geht es mir auch mit dem Glauben. Die Kirchen haben geschlossen, die Zeit ist knapp und die Geduld, mich mal hinzusetzen und mir Zeit für meinen Glauben zu nehmen, fehlt mir auch. Dabei habe ich bemerkt, dass genau das für mich wichtig wäre zwischen Alltagstrott und Ausnahmesituation. Einen Moment zu finden, in welchem mein Glauben, Gott und ich für uns sind und ich mich wieder fokussieren kann. Früher war das einfacher. Ich ging in den Gottesdienst und hatte dort die Möglichkeit diesen Fokus zu setzen. Woran ich mich – und auch andere, denen es so geht – erinnern möchte, ist: Hab Geduld! Nimm dir die Zeit, den Ort und die Geduld. Mach dir, wenn du möchtest, einen Onlinegottesdienst an oder blätter durch die Bibel oder ein Gesangbuch und versuche die frühere Geduld im Glauben und im Gespräch mit Gott wiederzufinden. Mir haben folgende Worte aus der Bibel dabei geholfen:

Wer geduldig ist, der ist weise; wer aber ungeduldig ist, offenbart seine Torheit. (Sprüche 14,29 – Lutherbibel 2017)

Wo fehlt euch die Geduld?

Wo findet ihr Raum für euren Glauben im Alltag?

WiederWort von Lisa (20)

Woran glaub ich eigentlich?

Na, ich bin doch Christ. Ich glaube an Jesus.

Und was bedeutet das?

Na, ich gehe zur Kirche…
Ich lese die Bibel…
Ich bin Nachfolger*in Jesu…

Diese zwei Fragen regen doch zum Nachdenken an. Klar, ich kann darauf einfache Antworten geben. Aber sind diese Antworten nicht vielleicht oberflächlich? Was steckt hinter diesen Antworten, was genau sind die Grundüberzeugungen meines Lebens?
Ich glaube, dass es sinnvoll ist, immer wieder in sich hineinzuhören, in sich selbst nachzuboren, wovon man überzeugt ist und warum. So können wir unsere eigenen Standorte festigen oder immer wieder neu bestimmen. So hängen wir unsere Herzen nicht an Dinge, die vergangen, gar nicht mehr aktuell sind, sondern können uns neu ausrichten. Oder wir erkennen, dass Altes noch ziemlich aktuell ist und schöpfen daraus neue Kraft.
Wenn Jesus Menschen begegnet ist, stellte er ihr Leben immer wieder auf den Kopf. Ein Zöllner bereichert nicht länger sich selbst, sondern verschenkt sein Geld.
Statt an sich selbst zu denken, laden Menschen Ausgeschlossene und Kranke ein, um gemeinsam zu essen.
Gott entspricht nicht unseren Erwartungen, er ist der, der uns immer wieder überrascht. Vielleicht tut es gut, feste Erwartungen immer für Überraschungen offen zu halten.

WiederWort von Yann (26)

Ganz anders

Treuer Gott,

du bist so ganz anders als all meine Erwartungen.

Als alles, was ich mir vorstellen kann.

Deine Gedanken über mich sind so ganz anders als meine eigenen.

Du siehst, was in mir steckt.

Du siehst auch die Seiten, die Fähigkeiten in mir, die sonst oft im Verborgenen liegen und von denen ich mich nur selten traue, sie zu zeigen.

Heute beginnt eine ganz andere Zeit im Kirchenjahr – die Fastenzeit.

Lass mich die ganz anderen Seiten in mir, in meinem Leben, neu entdecken.

Fordere mich heraus, um neue Wege zu gehen.

Gib mir Mut und Freude daran, mich auszuprobieren.

Öffne mich, um dich in meinem Leben neu zu finden.

Dich, der du so ganz anders bist als alles sonst –

großartig und im Kleinen versteckt.

Neugierig auf mich und ohne Scheu vor dem, was du siehst.

Liebevoll und vergebend.

Du zeigst mir den Weg zum Leben, Gott.

Ganz anders, spannenden und herausfordernd.

Dafür danke ich dir.

Amen.

WiederWort von Stefanie (35)

Heimat ist für mich…

…ein Ort, nein, jeder Ort, an dem ich als Mensch bedingungslos leben kann, weil ich von anderen Menschen umgeben bin, deren Sprachen ich spreche und die weder an meiner Haut-, Haar- oder Augenfarbe, noch an meinem Namen, meinem Alter, meinem Geschlecht, meinem Beruf, meinem Glauben, meinen Weltanschauungen oder meiner körperlichen und geistigen Verfassung Anstoß nehmen. Heimat ist für mich, in mir selbst zu ruhen – überall auf der Welt. Heimat ist für mich das Gefühl, geschützt, geborgen und verstanden zu sein; das Gefühl, dazu- und herzugehören; das Gefühl, ein Teil der Landschaft, der Kultur und der Menschen mit ihren regional besonderen Eigenarten zu sein. Das Wort „Heimat“ definiere ich als einen lebenslangen Sehnsuchtsbegriff. Auf der einen Seite hat Heimat mit Herkunft zu tun, mit der Prägung der eigenen Identität.

Auf der anderen Seite ist sie aber auch transitorisch wie das Leben selbst. Meine Heimat ist in mir, sie entwickelt und verändert sich kontinuierlich. Ich nehme sie mit auf Reisen und entdecke mich unterwegs immer wieder neu. Heimat ist Vision und Erinnerung. Sie bindet ein weites Reich von Zeichen und Figuren, von Bildern und Gesten, zusammen und ja, auch von Bewegungen. Trotz der Momente des Schmeckens, des Riechens, bleibt die Heimat immer schwankend zwischen Realität und Vorstellung.

Heimat kann nur selbstbestimmt und gleichberechtigt für jede und jeden sein. Heimat ist die Vielfalt an Menschen um mich herum, ein harmonisches, gesellschaftliches Miteinander und Zusammenwirken in allen Bereichen. Heimat kann an vielen Orten sein, ist offen und frei für alle. Im Laufe der Jahre wurde die Heimat ersetzt durch ein Zuhause, das nicht an einen bestimmten Ort gebunden ist.

Wenn ich die Augen zumache und wirklich mal über den Begriff „Heimat“ nachdenke, dann sehe ich verschiedene Erinnerungen vor mir. Ich sehe mich in Spanien auf unserer Bank sitzen, mit dem Kopf von meinem Hund auf meinen Oberschenkeln. Den Geruch von gegrillten spanischen Garnelen in der Nase und im Blick, wie mein Opa vor dem Grill steht, mit meiner Oma in seinen Armen. Die Sonnenstrahlen waren angenehm warm auf der Haut und ich höre noch, wie meine Oma sagt: „Ich hoffe, dass du dich immer an diesen Moment erinnerst. Wir. Zusammen. Hier.“ Ja, diesen Satz werde ich mir auf immer und ewig merken sowie auch das Gefühl, das ich in diesem Moment verspürt habe. Heimat ist etwas ganz Wichtiges.

Immer, wenn ihr das Gefühl von Wärme und Geborgenheit verspürt, schließt für einen Moment die Augen und genießt es. Fangt den Moment ein. Schätzt ihn wert. Genau diesen Moment gibt es nur einmal.

WiederWort von Stella (15)

 

Was bedeutet „Heimat“ für euch?

Stella hat sich etwas Besonderes für euch überlegt. Schreibt eure Gedanken in unserem WiederWort-Heimat-Padlet auf. Hier ist der Link dazu:

https://padlet.com/stellaselvarolo/eg3i2uvyatp8k1uf

Das Passwort ist: WiederWortHeimat

Großes im Kleinen

Ein Lächeln. Eine Umarmung. Ein leckeres Eis im Sommer. Ein guter Song. Eine Nachricht von einem lieben Menschen. Ein gutes Buch mit einer tollen Geschichte. Alte Fotos, die man beim Aufräumen wieder findet. Vorfreude auf den nächsten Urlaub.

All diese Dinge scheinen zunächst nur klein und unscheinbar zu sein. Aber wenn man genau hinschaut sind es Dinge, die viel größer und von Wert sind.

Ich freue mich über ein Lächeln, sei es von einem guten Freund oder von einer Fremden. Ich esse für mein Leben gerne Eis und ohne Musik läuft  bei mir gar nichts. Gerade solche Dinge machen das Lebens bunt und lebenswert. Die Kleinigkeiten, das Unscheinbare.

Auch Gott gebraucht kleine Dinge, um eine große Wirkung zu erzielen. Er benutzt das Kleine, Unscheinbare, um etwas zu tun, was nicht vergessen wird.

  • In der Schöpfungsgeschichte sehen wir, wie Gott mit ein paar, im Grunde einfachen Worten, die Welt erschafft. Aus einer unscheinbaren Leere wird etwas Großes und Bedeutsames.
  • Der Stab Mose wurde zu dem entscheidenden Mittel, das Volk Israel aus Ägypten zu befreien.
  • Ein einziger Stein sorgte dafür, dass der Philister Goliath von David zur Strecke gebracht wird.
  • Mit der Geburt Jesu kommt etwas Kleines auf die Welt, was später einmal ganz groß wird.

WiederWort von Sophia (26)

#WeRemember

Erinnerung

an Namen,

an Lebensgeschichten,

an Leben, das einfach ausgelöscht wurde,

an gestohlene Zeit,

an unfassbares Grauen,

an das, was Menschen anderen Menschen antun können,

an das, was alles Fassbare bei Weitem übersteigt.

 

Erinnerung daran,

dass bei Gott niemand verloren, kein einziges Leben vergessen ist.

Seit mittlerweile 25 Jahren ist der 27. Januar Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. 1945 wurde an diesem Tag das Konzentrationslager Auschwitz von sowjetischen Truppen befreit.

Sich auch heute wieder daran zu erinnern bedeutet, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander zu verbinden. All den Menschen, die damals ermordet wurden, ein würdiges Andenken zu geben und ihre Geschichten lebendig bleiben zu lassen. Sich auch heute wieder daran zu erinnern bedeutet, dem eigenen Leben eine klare Haltung zu geben: für ein vielfältiges Miteinander der Religionen und Kulturen. Für Frieden. Gegen jede Form von Antisemitismus, Spaltung und Hass.

Denn Hass ist krass. Liebe ist krasser.

Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen. (1. Korinther 13,13)

WiederWort von Stefanie (35)

 

Ganz der Vater

„Ganz der Vater.“ – So hat meine Oma manchmal zu mir gesagt. Denn ja, mein Vater und ich ähneln uns in vielen Dingen. Wir sind beide sehr ehrgeizig. Wir sind beide manchmal ganz schön rechthaberisch. Auf uns kann man sich verlassen.

„Ganz der Vater.“ – an diesen Satz meiner Oma muss ich denken, wenn ich die Jahreslosung für 2021 lese.

Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. (Lukas 6,46)

Jesus empfiehlt uns, ganz wie der Vater, also ganz wie Gott zu sein. Barmherzig.

Ich weiß nicht, ob das die erste Eigenschaft Gottes ist, die mir in den Sinn gekommen wäre, wenn Jesus mich gefragt hätte, wie das ei

gentlich geht „ganz wie der Vater“ zu sein. Was ist mit Gottes Macht? Was ist mit seinem Zorn? Was ist mit seiner Ver

gebung? Seiner Liebe? Wären nicht all das Eigenschaften gewesen, die mir zuerst eingefallen wären?

Aber so nicht Jesus. Er sagt: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Okay. Das möchte ich versuchen. Also ein Herz zu haben, das für andere schlägt, ihnen offen begegnet. Ein Herz zu haben, das anderen verzeiht. Ein Herz, mit dem ich mir auch selbst barmherzig begegne und auch mir verzeihe, dort wo ich Fehler mache und hinter meinen eigenen Erwartungen zurückbleibe.

Ich bin froh, dass Gott so ein offenes, warmes und weites Herz für uns Menschen hat. Ich bin froh, dass Gott mir so begegnet und sein Herz für mich schlägt.

WiederWort von Stefanie (35)

« Ältere Beiträge Neuere Beiträge »

© 2021 WiederWort

Theme von Anders NorénHoch ↑